CHENGDU

Nach Chengdu  (Verwaltungshauptstadt der Provinz Sichuan, vier Millionen Einwohner)  kamen wir eigentlich nur per Zufall. Unseren ursprünglicher Plan, von Peking aus ins Huang-Shan-Gebirge zu fliegen bzw. fahren,  mußten wir mangels Zeit und zügiger Transportmöglichkeiten aufgeben. Trotz mehrerer Versuche war's uns nicht gelungen im staatlichen Reisebüro in Peking (in dem kaum jemand Englisch sprach) eine erschöpfende Auskunft über Flug- und Busverbindungen zu erfahren. Da wir die uns zur Verfügung stehenden drei Wochen möglichst effektiv nutzen wollten, war es uns zu riskant, auf eigene Faust nach Nanking zu fliegen und von dort Zug- und Busverbindungen auszukundschaften.

 Bei der Suche nach einer interessanten und leichter erreichbaren Alternative "stolperten" wir im Reiseführer über Chengdu in der Provinz Sichuan. Es bietet in der Umgebung mit dem Woolong Nature Reserve -  eine Panda-Station - , dem Großen Buddha in Leshan und dem Mount Emei einige interessante Sehenswürdigkeiten. In Chengdu angekommen, wurden wir noch am selben Abend von Mr. Lee, einem Self-made-Reiseführer für Backpacker als mögliche Kunden entdeckt.

Er führte uns am nächsten Tag vormittags ins Chengdu Hospital, in dem die traditionelle Chinesische Medizin praktiziert wird.  Am Nachmittag stand eine Sichuan Oper im "The Working Men's Theatre"  auf dem Plan.

 

 

 

 

Chengdu Hospital of Chinese Medicine

 

Jeder Patient muß vor der Behandlung die Gebühr für den Arzt bezahlen. Der Chefarzt kostet 3 Yuan (ca. 0,80 DM), ein normaler Arzt 1 Yuan. Nach der Untersuchung erstellt der Arzt ein Rezept mit den Zutaten für den Heil-Tee. In der "Kräuter-Apotheke" suchen dann wieselflinke Helfer die einzelnen Zutaten aus langen Schrankwänden zusammen. Jede Schale beinhaltet die Portion für einen Tag. Nach sieben Tagen sind entweder die Beschwerden verschwunden oder der Patient muß zu einem erneuten Besuch erscheinen. 

Jedes Rezept wird genauestens begutachtet und 

 

anschließend werden die Zutaten abgewogen.

 

Die Zutaten - Gräser, Blüten, Rinde, Früchte in verschiedenen Reifestadien, aber auch Insekten wie die getrocknete Zikadenhülle - werden in ganz China und sicherlich auch darüber hinaus gesammelt.

          

An der Kasse werden die Rezeptkosten mit dem Abakus berechnet, der in ganz China noch rege Verwendung findet. 

In einem Supermarkt in der Innenstadt wurde das Ergebnis der modernen Registrierkasse mit dem Abakus  gegengerechnet und verglichen

 

 

Sehr interessant war auch die Abteilung "Akupunktur". Wir trafen hier einige Deutsche Ärzte und Heilpraktiker, die an einem "Akupunktur-Workshop" teilnahmen. 

Die chinesischen Ärzte setzen die Nadeln wesentlich tiefer und drehen sie solange in der Einstichstelle bis der Patient signalisiert, daß jetzt der schmerzhafteste Punkt erreicht ist. Anschließend werden die Nadeln mit gerollten und glimmenden Kräutern erwärmt um die Wirkung zu verstärken.

Nach Auskunft der deutschen Ärzte ist das Schmerzempfinden der Europäer wesentlich höher. Das oben beschriebene Verfahren können sie deshalb zu Hause nicht anwenden.

 

 

 

 

 

 

Sichuan Oper im  "The Working Men's Theatre"

 

 

Dank Mr. Lee konnten wir die Schauspieler Backstage beim Schminken und Anziehen beobachten.

 

 

 

 

 

Das Publikum bestand mit Ausnahme von vier Touristen ausschließlich aus "Rentnern". Die traditionellen Opern sind im modernen China bei den jüngeren Leuten nicht mehr "in"; außerdem begann die dreistündige Vorstellung bereits um 14 Uhr. Auf dem Spielplan stand eine verworrene Liebesgeschichte, deren Handlung uns von Mr. Zhang übersetzt wurde.

Der für europäische Ohren oft sehr schrille Gesang ist für die chinesischen Zuschauer der höchste Genuß. Je schriller er wurde, desto mehr Beifall gab's.